Fließendes Wasser fotografieren: Ausrüstung, Einstellungen und Tipps

Fließendes Wasser fotografieren und auf einem Foto authentisch wiederzugeben, ist eine anspruchsvolle Aufgabe für jeden Fotografen. Doch warum ist es so schwierig, fließendes Wasser zu fotografieren? Das Problem liegt in der natürlichen Bewegung des Wassers. Wasserflächen sind normalerweise immer in Bewegung. Dies gilt vor allem bei fließenden Gewässern.

Bei Flüssen, Bächen und Wasserfällen bewegt sich die Wasseroberfläche mit vielen kleinen Strömen und Strudeln ständig fort. Bei schnell fließenden Gewässern kann sich das Bild der Wasseroberfläche schon binnen Sekunden merklich verändern.

Auch die so bezeichneten stehenden Gewässer stehen tatsächlich in den seltensten Fällen wirklich still. Bei Teichen und Seen sorgt der Wind dafür, dass sich auf der Wasseroberfläche Wellen bilden. Nur an wirklich windstillen Tagen passiert es, dass die Wasseroberfläche spiegelglatt erscheint.

Beim Meer schließlich sind die Wellen besonders prominent. Im stetigen Takt spült hier die Brandung über den Strand und fließt wieder in das Meer zurück.

Fließendes Wasser fotografieren – die technischen Grundlagen

Fließendes Wasser fotografieren z.B. Wasserfall
Bild von Poswiecie, Canon EOS 7d, 18.0mm, ƒ/13.0, 1.3s, ISO 100

Diese Bewegung des Wassers im Foto festzuhalten, ist nicht einfach. Dies liegt daran, dass die üblichen Belichtungszeiten sich im Bereich von Sekundenbruchteilen bewegen. Bei Tageslichtaufnahmen aus der Hand bewegen sie sich meist im Bereich zwischen 1/30 und 1/1000 Sekunde.

Mit diesen kurzen Belichtungszeiten kann aber die Bewegung des Wassers nicht wiedergegeben werden. Die Wellen und Strömungen wirken wie eingefroren. Es ist eben nur ein Standbild, eine kurze Momentaufnahme.

Mit verschiedenen Tricks kann der Fotograf allerdings versuchen, die Dynamik des fließenden Wassers zumindest annähernd wiederzugeben. Eine Möglichkeit ist, wenn du fließendes Wasser fotografieren willst, die Verlängerung der Belichtungszeit.

Das Resultat ist, dass die umgebenden Landschaft, die sich nicht bewegt, auf dem Foto dennoch still steht und scharf abgebildet wird, während die Wasseroberfläche leicht verschwimmt und dadurch der Eindruck von Bewegung erzeugt wird.

Welche Belichtungszeit nötig ist, um diesen Effekt zu erzielen, hängt immer auch von der Fließgeschwindigkeit des Gewässers ab. Bei schnell fließenden Strömen können schon Belichtungszeiten unterhalb von einer Sekunden, zum Beispiel 1/2 bis 1/8 Sekunden genügen, um diesen Effekt zu erzielen.

Bei langsam fließenden Flüssen sind dagegen Zeiten von mehreren Sekunden oder sogar Minuten nötig, um einen sichtbaren Fließeffekt zu erzeugen. Es versteht sich von selbst, dass Aufnahmen mit diesen langen Belichtungszeiten nicht mehr aus der Hand erfolgen können, selbst wenn die Kamera über einen Bildstabilisator verfügt.

Diese Ausrüstung hilft dir

Kamera mit ND-Filter am Fluss aufgebaut
Bild von Bruno /Germany

Um eine entsprechend lange Belichtungszeit einstellen zu können, wird eine Kamera benötigt, bei der die Belichtungszeit manuell frei wählbar ist. Darüber hinaus braucht der Fotograf ein Stativ. Zweckdienlich ist weiterhin ein Kabel-, oder Drahtauslöser, beziehungsweise Infrarotauslöser. Sind diese nicht vorhanden, kann alternativ auch eine vorhandene Selbstauslöserfunktion mit Zeitvorlauf genutzt werden, um die Erschütterungen beim Auslösen zu reduzieren.

Ideal für das Fotografieren von fließendem Wasser ist die Verwendung eines Neutral-Graufilters oder auch ND-Filter genannt. Dieser verlängert die Belichtungszeit, ohne die Farbwiedergabe oder andere Faktoren negativ zu beeinflussen. Der Graufilter wird üblicherweise auf das Objektiv aufgeschraubt oder aufgesteckt.

Ein hochwertiger Graufilter mit Vergütung und planen Glasoberflächen hat auch keinen negativen Einfluss auf die Bildqualität. Graufilter gibt es in verschiedenen Stufen mit verschiedenen Verlängerungsfaktoren.

Wer regelmäßig Langzeitaufnahmen bei Tageslicht machen möchte, der kann sich auch ein komplettes Set anschaffen. Mit dem Graufilter vor dem Objektiv lassen sich selbst in gleißendem Sonnenlicht Aufnahmen von mehren Sekunden oder Minuten Dauer erzielen, sogar bei Offenblende.

Tipp: Wer sehr dicht an schnell fließenden Gewässern fotografiert, der sollte immer auch ein Tuch dabeihaben, um notfalls Wasserspritzer von der Kamera und dem Objektiv entfernen zu können. Wird kein Graufilter verwendet, so ist hier auch die Anwendung eines UV-Schutzfilters anzuraten.

Kamera-Einstellungen für das Fotografieren von fließendem Wasser

Aufnahmen, die lang genug sind, um Wasser auf dem Bild verschwimmen zu lassen, sind bei Tageslicht praktisch unmöglich. Das Bild wäre dann völlig überbelichtet. Wer keinen Graufilter hat, kann sich damit behelfen, den ISO-Wert der Kamera auf ein Minimum zu reduzieren beziehungsweise bei Filmkameras, einen möglichst niedrigempfindlichen Film einzulegen. Allerdings ist in beiden Fällen bei rund 25-50 ISO die Grenze erreicht.

Als zweite Möglichkeit kann die Blende so stark wie möglich geschlossen werden, zum Beispiel auf Blende 11, Blende 16 oder Blende 22. Auch hierdurch verlängert sich die Belichtungszeit. Aber dementsprechend erhöht sich auch die Schärfentiefe, was nicht immer gewünscht wird, wenn man fließendes Wasser fotografieren will.

Bei kleinen Sensoren kann zudem bereits der Beugungseffekt eintreten und die Bildschärfe vermindern. Verringerung der ISO-Zahl und vollständiges Schließen der Blende sind demnach nur Verlegenheitslösungen, wenn gelegentlich einmal fließendes Wasser fotografiert werden soll.

Bachlauf mit Felsen und Bäumen
Bild von Lars Nissen, Sony Ilce-7rm3, 70.0mm, ƒ/8.0, 10s, ISO 50

Die Darstellung von Wasser in Bewegung mittels Bildbearbeitung

Es gibt noch eine weitere, aber etwas anspruchsvollere Methode, um fließendes Wasser abzubilden. Die oben beschriebene Methode führt dazu, dass die Wasseroberflächen verschwimmen. Vor allem bei schnell fließenden Bächen kann dies allerdings unnatürlich wirken.

Eine weitere Methode ist es daher, mehrere Aufnahmen in kurzer Folge nacheinander aufzunehmen und diese mit einem Bildbearbeitungsprogramm zu überlagern. Hierdurch wird ein Bildeffekt erzielt, der einerseits die Dynamik des Wassers wiedergibt, aber auch sehr natürlich wirkt.

Auch hier ist allerdings ein Stativ notwendig, da der Bildausschnitt zwischen den Aufnahmen nicht verändert werden darf. In Photoshop können diese Bilder dann als mehrere Ebenen geöffnet und zu einem Überlagerungsbild zusammengefügt werden. In der Dunkelkammer kann diese Methode ebenfalls angewendet werden. Hier werden die Negative dann nacheinander auf dasselbe Blatt Fotopapier ausbelichtet.

Fazit: Fließendes Wasser fotografieren

Wer fließendes Wasser auf einem Foto dynamisch darstellen möchte, der kann entweder eine sehr lange Belichtungszeit wählen, oder alternativ mit der Bildbearbeitung mehrere Aufnahmen übereinander kopieren.

In beiden Fällen empfiehlt sich ein solides Stativ und für die erste Variante auch ein Graufilter. Mit diesen Möglichkeiten gelingen eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.