Fotografie-Grundlagen – Der ISO-Wert erklärt

Wie so vieles in der Fotografie hat der ISO-Wert seine Ursprünge in der analogen Fotografie mit Film. Er beschreibt das Ausmaß der Lichtempfindlichkeit von fotografischem Material. Nach welchen Kriterien sollte man ihn auswählen und was gibt es zu beachten?

Die Geschichte des ISO-Wertes

Aufdruck ISO-Wert auf FilmHerkömmlicherweise besteht der ISO-Wert aus zwei separaten Angaben, dem amerikanischen ASA-Wert und dem deutschen DIN-Wert, beispielsweise ISO 100/21°. Diese Zusammenführung war in den 1970er Jahren nötig geworden, da das Nebeneinander der beiden Einteilungssysteme immer wieder zu Verwirrungen geführt hatte.

Heute wird umgangssprachlich oft nur noch der ASA-Wert synonym mit dem ISO-Wert gebraucht. Der DIN-Wert ist inzwischen, insbesondere seit dem Aufkommen der Digitalfotografie, kaum noch in Verwendung. Was sagen die Zahlenangaben der beiden Skalen aus?

So funktioniert das System

Eine Verdoppelung des ASA-Wertes bedeutet eine praktische Verdoppelung der Lichtempfindlichkeit. Die klassische ASA-Reihe beeinhaltet die Werte 25-50-100-200-400-800-1600-3200 und so fort. Sie ist jedoch nach oben und unten offen. Auch Zwischenwerte sind möglich, zum Beispiel 125, 160 oder 320 ASA. Die Verdoppelung oder Halbierung des ASA-Wertes entspricht dabei dem Wert von einer Blendenstufe oder einem Belichtungsschritt.

Ein praktisches Beispiel: Erfordert ein Film mit einer Empfindlichkeit von ASA 100 bei einer bestimmten Lichtsituation eine Belichtungszeit von 1/125 Sekunde und eine Blende von f 5,6, um eine Szenerie mit der korrekten Belichtung abzubilden, so benötigt ein Film mit einer Empfindlichkeit von ASA 50 bei gleichbleibender Blende eine Belichtungszeit von 1/60 Sekunde oder bei gleichbleibender Belichtungszeit eine Blende von f 4.

Das DIN-System ist dagegen in Dreierschritten unterteilt. ASA 100 entspricht hier 21 DIN, ASA 400 entspricht 24 DIN und so weiter. Da das ASA-System linear aufgebaut ist, konnte es sich letztlich leichter gegen das DIN-System durchsetzen.

Der Einfachheit halber wird im Folgenden, wie es heute umgangssprachlich geläufig ist, der ASA-Wert synonym mit dem ISO-Wert verwendet. Der DIN-Wert soll hier nicht weiter beachtet werden, da seine Verwendung aus der Mode gekommen ist.

Warum die höchste ISO-Empfindlichkeit nicht unbedingt die beste ist

ISO-Wert beim Fotografieren in der Nacht

Fotografie-Anfänger werden sich jetzt beim Lesen sicher fragen: Warum gibt es verschiedene ISO-Werte? Warum verwendet man beim Fotografieren nicht immer den höchstmöglichen Wert und kann dann bei entsprechend kurzen Belichtungszeiten arbeiten?

Die Antwort ist, weil ein höherer ISO-Wert auch viele Nachteile mit sich bringt. Beim Film ist es so, dass der höhere ISO-Wert in der Produktion durch größere Silberkörner erzielt werden muss. Diese besitzen eine größere Fläche und haben daher auch ein höheres Lichtaufnahmevermögen. Allerdings werden diese größeren Silberkörner auf dem vergrößerten Abzug auch schneller sichtbar als bei einem niedrigempfindlichen Film, der feinkörniger ist. Das Bild wirkt „grobkörnig“, wie man sagt. Die Auflösung feiner Details ist dadurch reduziert.

Bei der digitalen Fotografie muss die höhere Empfindlichkeit durch eine Verstärkung des elektrischen Signals am Sensor erfolgen. Dadurch wird jedoch auch die Wiedergabe von Störsignalen verstärkt, die sich als sogenanntes „Rauschen“ manifestieren.

Das Bild wirkt in der Vergrößerung flau und verwaschen, feine Details gehen unter. Die Auswirkungen einer höheren Empfindlichkeit sind daher bei Film und Sensor sehr ähnlich.

Welchen ISO-Wert sollte man verwenden?

Einen guten Kompromiss stellen Aufnahmen bei ISO 100 dar. Dies ist auch die Grundempfindlichkeit der meisten digitalen Bildsensoren, also die Empfindlichkeit, bei der ein optimales Ergebnis erzielt wird. Filme mit ISO 100 zeichnen sich durch hohe Auflösung und Schärfe aus, sie sind auch praktisch noch sehr gut zu handhaben. Es gibt zwar auch Filme mit ISO 20-25, welche nochmals eine bessere Auflösung liefern, doch sie erfordern häufig schon den Einsatz eines Stativs.

Aufnahmen bei wenig Licht verlangen natürlich nach einer höheren ISO-Zahl. Bei älteren Digitalkameras aus dem ersten Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende markiert ein Wert von ISO 400 häufig schon das Ende des brauchbaren Empfindlichkeitsbereiches. Das Rausches nimmt hier schnell Überhand. Neuere Kameras, zumal mit APS-C oder Vollformatsensoren, erreichen dagegen auch bei ISO 3200 und darüber hinaus beachtliche Ergebnisse.

Bei Filmen stellen ISO 400-800 einen guten Kompromiss dar, wenn bei weniger Licht noch qualitativ hochwertige Ergebnisse erzielt werden sollen. Vor allem bei Schwarzweissfilmen sind auch Filme mit ISO 3200 erhältlich, allerdings sind diese bereits sehr grobkörnig.

Das sollte man bei der ISO-Wahl beachten

Gerade bei unbewegten Motiven ist es immer besser, zur Not ein Stativ einzusetzen, als mit einem hohen ISO-Wert zu fotografieren. Bei bewegten Motiven, Portraits zum Beispiel, ist dies natürlich nicht praktikabel.

Als Faustregel gilt: Der ISO-Wert sollte so hoch bemessen sein, dass Aufnahmen möglich sind, ohne dass ein zu hohes Risiko von Verwacklung oder Bewegungsunschärfe auftreten kann. Er sollte aber gleichzeitig so niedrig wie möglich bemessen sein, um noch eine gute technische Qualität des Rohbildes beziehungsweise des Negativs/Dias sicherzustellen.

Vor allem bei der Filmauswahl sollte die ISO-Empfindlichkeit daher wohl überlegt sein. Digitalfotografen haben es hier einfacher, ein Klick ins Kameramenü oder ein Drehen am ISO-Rad genügt. Viele Digitalkameras bieten auch eine automatische ISO-Einstellung.

Hier ist jedoch Vorsicht geboten, da die Kamera unter Umständen mit unnötig hohen Werten fotografiert, was zu höherem Rauschen führt. Ambitionierte Fotografen steuern den ISO-Wert daher in der Regel manuell.