Schärfentiefe erklärt mit Kamera, markiertem Schärfebereich und vier Einflussfaktoren

Schärfentiefe: So stellst du sie gezielt ein

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Die Schärfentiefe entscheidet darüber, welcher Bereich deines Fotos scharf erscheint. Bei einem Porträt soll häufig nur die Person scharf sein, während der Hintergrund weich verschwimmt. Bei einer Landschaft möchtest du dagegen meist möglichst viele Bildebenen klar erkennen.

Einsteiger versuchen häufig, die gewünschte Wirkung nur über die Blende zu erreichen. Das funktioniert jedoch nicht immer. Auch die Brennweite, die Sensorgröße und dein Abstand zum Motiv beeinflussen den sichtbaren Schärfebereich.

Hinzu kommt der Abstand zwischen Motiv und Hintergrund. Er verändert zwar nicht direkt die eigentliche Schärfentiefe, entscheidet aber stark darüber, wie unscharf der Hintergrund erscheint.

Wenn du diese Zusammenhänge verstehst, musst du keine Einstellungen auswendig lernen. Du kannst vor jeder Aufnahme überlegen, welcher Bereich wichtig ist, und deine Kamera gezielt darauf einstellen.

Was bedeutet Schärfentiefe?

Schärfentiefe mit scharfer Pflanze sowie unscharfem Vordergrund und Hintergrund

Die Kamera kann immer nur auf eine bestimmte Entfernung exakt fokussieren. Dort liegt die sogenannte Schärfeebene. Motive direkt auf dieser Ebene werden besonders klar abgebildet.

Vor und hinter der Schärfeebene gibt es jedoch einen Bereich, der für unser Auge ebenfalls noch scharf genug erscheint. Diesen Bereich bezeichnet man als Schärfentiefe.

Eine geringe Schärfentiefe bedeutet, dass nur ein kleiner Teil des Motivs scharf wirkt. Vordergrund und Hintergrund können deutlich verschwimmen. Das wird häufig bei Porträts, Tieraufnahmen oder Detailfotos eingesetzt.

Bei einer großen Schärfentiefe erscheint ein deutlich größerer Bereich scharf. Das ist besonders bei Landschaften, Architekturaufnahmen und Gruppenfotos hilfreich.

Wichtig ist die Formulierung „erscheint scharf“. Optisch wirklich exakt fokussiert ist nur eine Ebene. Bereiche davor und dahinter werden lediglich so wenig unscharf dargestellt, dass wir sie bei der üblichen Betrachtungsgröße noch als scharf wahrnehmen.

Schärfentiefe oder Tiefenschärfe: Was ist richtig?

Die Begriffe Schärfentiefe und Tiefenschärfe werden in der Fotografie meistens gleichbedeutend verwendet. Wenn jemand von wenig Tiefenschärfe spricht, ist normalerweise eine geringe Schärfentiefe gemeint.

In der Fachsprache wird häufig Schärfentiefe bevorzugt. Der Begriff beschreibt den räumlichen Bereich, der im Foto ausreichend scharf erscheint.

Für deine praktische Arbeit mit der Kamera spielt die sprachliche Unterscheidung kaum eine Rolle. Entscheidend ist, dass du verstehst, wie groß der scharf wirkende Bereich ist und wie du ihn verändern kannst.

Warum die Schärfentiefe deine Bildwirkung verändert

Schärfentiefe ist nicht nur eine technische Eigenschaft. Sie hilft dir dabei, den Blick des Betrachters zu lenken.

Ist nur ein Gesicht oder ein einzelnes Detail scharf, wird dieser Bereich automatisch wichtiger. Ein weicher Hintergrund tritt optisch zurück und lenkt weniger vom Hauptmotiv ab.

Eine große Schärfentiefe vermittelt dagegen mehr Informationen über die Umgebung. Der Betrachter kann den Vordergrund, die Mitte und den Hintergrund erkunden.

Typische Wirkungen sind:

  • Geringe Schärfentiefe: ruhig, konzentriert und räumlich
  • Große Schärfentiefe: informativ, weit und detailreich
  • Gezielt gesetzte Schärfe: lenkt den Blick auf ein wichtiges Bildelement
  • Unpassende Schärfentiefe: kann wichtige Teile des Motivs unbeabsichtigt unscharf machen

Die beste Einstellung hängt deshalb nicht davon ab, was technisch möglich ist. Sie richtet sich danach, was du mit deinem Foto zeigen möchtest.

Vier Faktoren beeinflussen die Schärfentiefe

Infografik zu Blende, Brennweite, Sensorgröße und Aufnahmeabstand als Einflussfaktoren der Schärfentiefe

Die Schärfentiefe entsteht durch das Zusammenspiel mehrerer Einstellungen und Aufnahmebedingungen. Besonders wichtig sind:

  1. Blende
  2. Brennweite
  3. Sensorgröße
  4. Abstand zwischen Kamera und Motiv

Auch die Canon Academy nennt Blende, Brennweite, Aufnahmeabstand und Sensorgröße als wichtige Einflussfaktoren der Schärfentiefe.

Keiner dieser Faktoren arbeitet vollkommen unabhängig von den anderen. Änderst du beispielsweise die Brennweite und gehst anschließend weiter zurück, veränderst du gleichzeitig Bildausschnitt, Perspektive und Aufnahmeabstand.

Für den Einstieg ist es trotzdem sinnvoll, die vier Einflüsse zunächst einzeln zu betrachten.

Faktor 1: Die Blende

Die Blende ist der direkteste Regler für die Schärfentiefe. Du kannst sie an vielen Kameras über die Zeitautomatik A beziehungsweise Av oder im manuellen Modus einstellen.

Dabei gilt:

  • Kleine Blendenzahl, beispielsweise f/2,8: geringe Schärfentiefe
  • Mittlere Blendenzahl, beispielsweise f/5,6: mittlere Schärfentiefe
  • Große Blendenzahl, beispielsweise f/11: größere Schärfentiefe

Eine weit geöffnete Blende lässt Lichtstrahlen aus unscharfen Bereichen als größere Lichtkreise auf den Sensor treffen. Dadurch werden Vordergrund und Hintergrund schneller unscharf.

Bei einer geschlossenen Blende werden diese Lichtkreise kleiner. Ein größerer Bereich erscheint dadurch ausreichend scharf.

Die Blende verändert gleichzeitig die Belichtung. Wenn du von f/4 auf f/8 abblendest, gelangt deutlich weniger Licht auf den Sensor. Die Kamera muss dies durch eine längere Belichtungszeit oder einen höheren ISO-Wert ausgleichen.

Die Blende allein bestimmt die Schärfentiefe allerdings nicht. Ein Porträt aus zwei Metern Entfernung kann bei f/4 einen weichen Hintergrund zeigen. Eine Landschaft mit derselben Blende kann trotzdem über einen großen Bereich scharf wirken.

Faktor 2: Die Brennweite

Auch die Brennweite beeinflusst, wie groß der scharf wirkende Bereich erscheint. Bei gleicher Kameraposition, gleichem Fokusabstand und gleicher Blende erzeugt eine längere Brennweite normalerweise eine geringere Schärfentiefe.

Ein Teleobjektiv mit 200 Millimetern lässt einen Hintergrund deshalb häufig weicher erscheinen als ein Weitwinkelobjektiv mit 24 Millimetern.

Typische Wirkungen sind:

BrennweitenbereichTypische Wirkung
Weitwinkelgroßer Bildwinkel, häufig viel Schärfentiefe
Normalbrennweitenatürliche und ausgewogene Wirkung
Telebrennweiteenger Bildwinkel, starke Motivtrennung möglich

Die Brennweite verändert zusätzlich die Größe des Motivs im Bild. Mit einem Teleobjektiv wird das Motiv stärker vergrößert und der Bildausschnitt enger. Nikon beschreibt Brennweite entsprechend als Einfluss auf Bildwinkel und Vergrößerung.

Etwas komplizierter wird der Vergleich, wenn du bei einer längeren Brennweite weiter zurückgehst, damit das Motiv im Bild gleich groß bleibt. Der größere Aufnahmeabstand erhöht wiederum die Schärfentiefe. Dadurch fällt der Unterschied teilweise kleiner aus, als ein einfacher Brennweitenvergleich vermuten lässt.

Für die Praxis kannst du dir merken:

Eine längere Brennweite erleichtert einen weich wirkenden Hintergrund, besonders wenn zwischen Motiv und Hintergrund ausreichend Platz liegt.

Faktor 3: Die Sensorgröße

Die Sensorgröße wird bei der Schärfentiefe häufig zu stark vereinfacht dargestellt. Ein größerer Sensor erzeugt nicht allein und automatisch einen unscharfen Hintergrund.

Verwendest du dasselbe Objektiv, dieselbe Blende und dieselbe Kameraposition, verändert ein kleinerer Sensor zunächst vor allem den erfassten Bildausschnitt. Er nimmt einen kleineren Ausschnitt aus dem Bildkreis des Objektivs auf.

In der Praxis vergleichen wir Kameras jedoch meistens bei gleichem Bildausschnitt. Um mit einer Vollformatkamera dasselbe Motiv genauso groß abzubilden wie mit einer Kamera mit kleinerem Sensor, verwendest du häufig eine längere Brennweite oder veränderst den Aufnahmeabstand.

Unter diesen vergleichbaren Bedingungen gilt als praktische Regel:

Ein größerer Sensor ermöglicht bei gleicher Blendenzahl und gleichem Bildausschnitt meist eine geringere Schärfentiefe.

Ein kleinerer Sensor erleichtert dagegen eine größere Schärfentiefe. Das kann bei Landschaften, Reisen oder Makroaufnahmen durchaus ein Vorteil sein.

Auch die spätere Vergrößerung des Sensorbildes und der zugrunde gelegte Zerstreuungskreis spielen bei der Berechnung eine Rolle. Deshalb verwenden Schärfentieferechner je nach Sensorformat unterschiedliche Werte.

Du brauchst für einen unscharfen Hintergrund dennoch keine Vollformatkamera. Mit einer APS-C- oder Micro-Four-Thirds-Kamera kannst du Motive ebenfalls sehr gut freistellen. Eine offene Blende, eine passende Brennweite und günstige Abstände sind meist wichtiger als die Sensorgröße allein.

Faktor 4: Der Abstand zum Motiv

Vergleich der Schärfentiefe bei großem und kleinem Aufnahmeabstand zum Motiv

Der Aufnahmeabstand ist einer der stärksten und zugleich am häufigsten unterschätzten Einflüsse.

Je näher du mit der Kamera an dein Motiv herangehst, desto geringer wird die Schärfentiefe. Entfernst du dich vom Motiv, vergrößert sich der scharf erscheinende Bereich.

Besonders deutlich wird das bei Nahaufnahmen. Fotografierst du eine kleine Blüte aus kurzer Entfernung, können bei offener Blende nur wenige Millimeter scharf sein. Teile derselben Blüte liegen dann bereits außerhalb des scharfen Bereichs.

Bei einem Porträt aus größerer Entfernung reicht die Schärfentiefe bei derselben Blende möglicherweise problemlos für das gesamte Gesicht.

Canon und Sony nennen den Abstand zwischen Kamera und Motiv daher neben Blende und Brennweite als entscheidenden Einflussfaktor.

Du kannst den Aufnahmeabstand sehr einfach als Gestaltungsmittel nutzen:

  • Gehe näher heran, wenn du einen kleineren scharfen Bereich möchtest.
  • Gehe weiter zurück, wenn mehr vom Motiv scharf werden soll.
  • Kontrolliere nach der Veränderung erneut den Bildausschnitt.
  • Achte darauf, dass sich durch deinen Standort auch die Perspektive verändert.

Schärfentiefe und Hintergrundunschärfe sind nicht dasselbe

Vergleich eines Motivs nah und weit vor dem Hintergrund mit unterschiedlicher Hintergrundunschärfe

Eine geringe Schärfentiefe und ein unscharfer Hintergrund hängen zusammen, sind aber nicht genau dasselbe.

Die Schärfentiefe beschreibt den Bereich um die fokussierte Entfernung, der ausreichend scharf erscheint. Die Stärke der Hintergrundunschärfe beschreibt dagegen, wie deutlich weit entfernte Elemente verschwimmen.

Dabei spielt der Abstand zwischen Motiv und Hintergrund eine wichtige Rolle.

Steht eine Person direkt vor einer Wand, kann die Wand auch bei offener Blende noch relativ deutlich erkennbar sein. Befindet sie sich mehrere Meter vor der Wand, verschwimmt der Hintergrund wesentlich stärker.

Für einen weichen Hintergrund helfen deshalb vier Schritte:

  1. Öffne die Blende.
  2. Gehe näher an dein Motiv heran.
  3. Vergrößere den Abstand zwischen Motiv und Hintergrund.
  4. Nutze eine längere Brennweite, wenn es zum Bild passt.

Der dritte Punkt verändert nicht direkt den scharfen Bereich am Motiv. Er sorgt aber dafür, dass der Hintergrund weiter von der fokussierten Ebene entfernt liegt und dadurch unschärfer abgebildet wird.

Eine verständliche technische Ergänzung bietet die offizielle Erklärung von Sony über Blende, Schärfentiefe und den Abstand zum Hintergrund.

Schärfentiefe und Bokeh: Wo liegt der Unterschied?

Bokeh bezeichnet nicht die Menge der Unschärfe, sondern deren Aussehen. Zwei Objektive können bei vergleichbarer Schärfentiefe einen unterschiedlich wirkenden Hintergrund erzeugen.

Ein ruhiges Bokeh zeigt weiche Übergänge und gleichmäßige Lichtkreise. Ein unruhiger Hintergrund kann dagegen doppelte Konturen, harte Kanten oder auffällige Strukturen enthalten.

Das Aussehen hängt unter anderem ab von:

  • Konstruktion des Objektivs
  • Form und Anzahl der Blendenlamellen
  • Motiv und Hintergrundstruktur
  • Abstand zwischen Motiv und Hintergrund
  • Lichtquellen im unscharfen Bereich

Eine möglichst geringe Schärfentiefe garantiert daher nicht automatisch ein schönes Bokeh. Manchmal verbessert bereits ein anderer Standort den Hintergrund stärker als eine noch weiter geöffnete Blende.

Wo sollte der Fokus liegen?

Die Schärfentiefe hilft nur, wenn die eigentliche Schärfeebene an der richtigen Stelle liegt. Deine Kamera muss deshalb auf den wichtigsten Bereich des Motivs fokussieren.

Bei einem Porträt

Fokussiere auf das Auge, das der Kamera am nächsten liegt. Bei sehr offener Blende kann das weiter entfernte Auge bereits leicht unscharf werden.

Soll das gesamte Gesicht scharf sein, schließe die Blende etwas oder vergrößere den Aufnahmeabstand.

Bei mehreren Personen

Versuche, die Personen möglichst auf einer ähnlichen Entfernungsebene anzuordnen. Stehen sie in mehreren Reihen, benötigst du eine größere Schärfentiefe.

Fokussiere nicht automatisch auf die hinterste Reihe. Ein sinnvoller Fokuspunkt liegt häufig bei einer Person im vorderen bis mittleren Bereich der Gruppe. Kontrolliere anschließend das Bild vergrößert.

Bei einer Landschaft

Stelle nicht grundsätzlich auf den Horizont oder auf unendlich scharf. Dadurch kann der Vordergrund unnötig unscharf werden.

Ein Fokuspunkt im vorderen oder mittleren Bereich der Szene liefert häufig eine bessere Verteilung der Schärfe. Bei anspruchsvollen Motiven kannst du zusätzlich mit der hyperfokalen Distanz arbeiten.

Bei einer Nahaufnahme

Entscheide bewusst, welches Detail am wichtigsten ist. Bei einer Blüte können das beispielsweise die Staubblätter sein, bei einem Insekt meistens die Augen.

Schon kleine Bewegungen der Kamera oder des Motivs können den Fokus verschieben. Serienaufnahmen oder manuelles Fokussieren können hier hilfreich sein.

Was ist die hyperfokale Distanz?

Hyperfokale Distanz mit Fokuspunkt, Nahgrenze und Schärfebereich bis unendlich

Die hyperfokale Distanz ist die kürzeste Fokusentfernung, bei der der Hintergrund bis unendlich noch ausreichend scharf erscheint. Gleichzeitig reicht der scharf wirkende Bereich möglichst weit in den Vordergrund.

Die Technik wird vor allem in der Landschaftsfotografie verwendet. Sie kann helfen, Vordergrund und entfernte Landschaft gemeinsam scharf abzubilden.

Die passende Entfernung hängt ab von:

  • Brennweite
  • Blende
  • Sensorformat
  • zugrunde gelegtem Zerstreuungskreis

Du kannst die Entfernung mit einer App oder einem Schärfentieferechner bestimmen. Die Ergebnisse sind jedoch keine absolute Grenze zwischen scharf und unscharf. Sie beruhen auf einer festgelegten Betrachtungsgröße und einer bestimmten Toleranz für Unschärfe.

Canon empfiehlt für eine möglichst hohe Schärfentiefe außerdem, nicht automatisch die kleinste verfügbare Blendenöffnung zu verwenden. Werte wie f/8 oder f/11 können mehr Details liefern als f/22, weil bei sehr kleinen Öffnungen Beugungsunschärfe zunimmt.

Welche Schärfentiefe passt zu welchem Motiv?

Die folgenden Werte sind keine festen Regeln. Sie bieten dir jedoch sinnvolle Ausgangspunkte für typische Aufnahmesituationen.

MotivMöglicher AusgangspunktZiel
Einzelporträtf/2 bis f/4Person vom Hintergrund trennen
Paarfotof/2,8 bis f/5,6beide Gesichter ausreichend scharf
Gruppenfotof/5,6 bis f/8mehrere Personenebenen erfassen
Landschaftf/8 bis f/11Vordergrund und Ferne verbinden
Architekturf/8 bis f/11gleichmäßige Detailzeichnung
Streetfotografief/5,6 bis f/8schnell reagieren und Fokusfehler vermeiden
Detailaufnahmef/2,8 bis f/5,6Blick auf ein einzelnes Detail lenken
Makroaufnahmef/5,6 bis f/11sehr geringe Schärfentiefe ausgleichen
Tierporträtf/2,8 bis f/5,6Augen scharf, Hintergrund ruhig
Produktfotof/5,6 bis f/11wichtigen Produktbereich scharf zeigen

Bei sehr kleinen Motiven reicht selbst f/11 möglicherweise nicht aus, um alles scharf abzubilden. Der geringe Aufnahmeabstand verkleinert die Schärfentiefe erheblich.

Bei einem weit entfernten Motiv kann dagegen schon f/5,6 einen großen Bereich scharf erscheinen lassen. Die Blendenzahl allein sagt deshalb wenig über das spätere Ergebnis aus.

Geringe Schärfentiefe für Porträts einstellen

Für ein Porträt mit weichem Hintergrund kannst du folgendermaßen vorgehen:

  1. Stelle die Kamera auf A beziehungsweise Av.
  2. Wähle zunächst eine Blende zwischen f/2 und f/4.
  3. Nutze eine mittlere oder längere Brennweite.
  4. Gehe so nah heran, dass der gewünschte Bildausschnitt entsteht.
  5. Vergrößere den Abstand zwischen Person und Hintergrund.
  6. Fokussiere auf das nähere Auge.
  7. Kontrolliere, ob beide Augen ausreichend scharf sind.

Öffne die Blende nicht automatisch vollständig. Bei f/1,4 oder f/1,8 kann die Schärfentiefe aus kurzer Entfernung so gering sein, dass nur ein kleiner Teil des Gesichts scharf wird.

Eine leicht geschlossene Blende liefert häufig zuverlässigere Ergebnisse. Gleichzeitig bleibt der Hintergrund weich, wenn die übrigen Abstände stimmen.

Große Schärfentiefe für Landschaften einstellen

Bei Landschaftsaufnahmen soll oft ein Motiv im Vordergrund ebenso scharf erscheinen wie die weiter entfernte Umgebung.

Eine sinnvolle Vorgehensweise ist:

  1. Beginne mit f/8.
  2. Verwende einen niedrigen ISO-Wert.
  3. Wähle den Fokuspunkt nicht automatisch am Horizont.
  4. Kontrolliere die Schärfe im Vordergrund und in der Ferne.
  5. Verwende bei längerer Belichtungszeit ein Stativ.
  6. Schließe die Blende nur weiter, wenn es wirklich notwendig ist.

Weitere Hinweise zu Bildaufbau, Brennweite und passenden Einstellungen findest du in meinen Tipps für bessere Landschaftsfotos.

F/16 oder f/22 erzeugt zwar eine größere rechnerische Schärfentiefe, kann aber feine Details durch Beugung weicher darstellen. Oft liefert f/8 oder f/11 den besseren Kompromiss.

Reicht eine einzelne Aufnahme nicht aus, kannst du später über Focus Stacking nachdenken. Dabei werden mehrere Fotos mit unterschiedlichen Fokusentfernungen zu einem Bild kombiniert.

Ausreichende Schärfentiefe bei Gruppenfotos

Bei Gruppenfotos ist eine extrem offene Blende häufig riskant. Schon kleine Unterschiede bei der Entfernung können dazu führen, dass nur die vordere Reihe scharf ist.

Achte auf folgende Punkte:

  • Stelle die Personen möglichst kompakt auf.
  • Vermeide unnötig große Abstände zwischen den Reihen.
  • Gehe nicht näher heran als nötig.
  • Beginne ungefähr mit f/5,6 oder f/8.
  • Kontrolliere die Belichtungszeit, damit sich bewegende Personen nicht verwischen.
  • Prüfe nach der Aufnahme mehrere Gesichter vergrößert.

Mehr Schärfentiefe lässt sich nicht nur durch Abblenden erreichen. Ein etwas größerer Aufnahmeabstand kann ebenfalls helfen.

Warum Makroaufnahmen so wenig Schärfentiefe besitzen

Bei Makro- und Nahaufnahmen befindet sich die Kamera sehr nah am Motiv. Dadurch wird die Schärfentiefe selbst bei mittleren Blendenwerten extrem klein.

Das erkennst du beispielsweise bei einem Insekt: Die Augen können scharf sein, während Flügel und Körper bereits außerhalb des scharfen Bereichs liegen.

Eine kleinere Blendenöffnung hilft nur begrenzt. Zu starkes Abblenden verlängert die Belichtungszeit und kann die Detailauflösung verringern.

In der Praxis helfen:

  • Kamera und Motiv möglichst ruhig halten
  • Fokus exakt auf das wichtigste Detail legen
  • Blende vorsichtig schließen
  • ausreichend Licht verwenden
  • mehrere Aufnahmen mit leicht verändertem Fokus erstellen
  • bei Bedarf Focus Stacking einsetzen

Bei windbewegten Blumen oder lebenden Insekten ist eine einzelne technisch perfekte Aufnahme häufig schwieriger als bei unbewegten Motiven.

Wie du diese Herausforderung mit Licht, Fokus und passenden Kameraeinstellungen löst, zeige ich dir ausführlich in meinem Einstieg in die Makrofotografie.

Schärfentiefe auf dem Kameradisplay kontrollieren

Die Schärfentiefe lässt sich vor der Aufnahme nicht immer vollständig im Sucher erkennen. Bei Spiegelreflexkameras bleibt die Blende während der Bildgestaltung häufig weit geöffnet und schließt sich erst beim Auslösen auf den eingestellten Wert.

Einige Kameras besitzen deshalb eine Abblendtaste oder Schärfentiefe-Vorschau. Beim Drücken schließt sich die Blende auf den gewählten Wert.

Das Sucherbild kann dabei dunkler werden. Dafür bekommst du einen besseren Eindruck vom späteren Schärfebereich.

Bei spiegellosen Kameras und im Live-View-Modus wird die Wirkung teilweise bereits elektronisch dargestellt. Das Verhalten hängt jedoch vom Kameramodell und den Anzeigeeinstellungen ab.

Nach der Aufnahme solltest du deshalb zusätzlich:

  • das Bild vergrößern,
  • den wichtigsten Fokuspunkt kontrollieren,
  • Vordergrund und Hintergrund prüfen,
  • nicht nur der kleinen Gesamtansicht vertrauen.

Die Vorschau auf dem Kameradisplay kann einen leicht unscharfen Bereich schnell besser erscheinen lassen, als er auf einem großen Monitor tatsächlich ist.

Wie hilfreich ist ein Schärfentieferechner?

Ein Schärfentieferechner zeigt dir, welcher Entfernungsbereich bei bestimmten Einstellungen voraussichtlich ausreichend scharf erscheint.

Dazu benötigt er normalerweise:

  • Sensorformat
  • Brennweite
  • Blendenzahl
  • Fokusentfernung

Als Ergebnis erhältst du beispielsweise die vordere und hintere Grenze der Schärfentiefe sowie die hyperfokale Distanz.

Solche Rechner sind besonders für Landschaft, Architektur und geplante Produktaufnahmen hilfreich. Bei spontanen Porträts oder bewegten Motiven sind sie oft zu umständlich.

Die berechneten Werte sind außerdem keine millimetergenauen Naturgesetze. Wie scharf ein Bereich wahrgenommen wird, hängt auch von Auflösung, Ausgabegröße, Betrachtungsabstand und persönlichem Anspruch ab.

Nutze einen Rechner deshalb als Orientierung und kontrolliere das tatsächliche Foto zusätzlich auf dem Display.

Die Schärfentiefe beim Smartphone

Bei Smartphones lässt sich die physische Blende meistens nicht frei verändern. Viele Modelle besitzen eine feste Objektivöffnung.

Der Porträtmodus erzeugt einen unscharfen Hintergrund daher häufig mithilfe von Software. Das Smartphone erkennt Vordergrund und Hintergrund und berechnet die Unschärfe nachträglich.

Das kann sehr überzeugend aussehen, ist aber keine echte optische Schärfentiefe. An Haaren, Brillen, Pflanzen oder transparenten Gegenständen können fehlerhafte Übergänge entstehen.

Auch ohne Porträtmodus kannst du die Bildwirkung beeinflussen:

  • Gehe näher an das Hauptmotiv heran.
  • Vergrößere den Abstand zum Hintergrund.
  • Tippe auf das wichtigste Motivdetail, um dort zu fokussieren.
  • Verwende bei mehreren Kameramodulen eher die längere Brennweite.
  • Kontrolliere die künstliche Unschärfe nach der Aufnahme.

Die grundlegenden Regeln zu Abständen und Bildaufbau gelten deshalb auch beim Smartphone.

Typische Fehler bei der Schärfentiefe

Nur die Blende wird verändert

Viele Fotografen öffnen oder schließen die Blende und erwarten sofort die gewünschte Wirkung. Brennweite, Aufnahmeabstand und Hintergrundentfernung bleiben dabei unbeachtet.

Häufig bringt es mehr, den eigenen Standort oder die Position des Motivs zu verändern.

Für maximale Schärfe wird f/22 eingestellt

Eine sehr kleine Blendenöffnung vergrößert die Schärfentiefe, liefert aber nicht automatisch die höchste Detailauflösung. Durch Beugung kann das gesamte Bild etwas weicher werden.

Beginne bei Landschaften lieber mit f/8 oder f/11.

Der Fokus liegt an der falschen Stelle

Eine ausreichend große Schärfentiefe hilft nicht, wenn das wichtigste Motiv außerhalb des scharfen Bereichs liegt.

Kontrolliere deshalb nicht nur die Blendenzahl, sondern auch den gewählten Fokuspunkt.

Das Motiv steht direkt vor dem Hintergrund

Selbst ein lichtstarkes Objektiv kann keinen besonders weichen Hintergrund erzeugen, wenn dieser fast auf derselben Entfernungsebene wie das Motiv liegt.

Mehr Abstand zwischen Motiv und Hintergrund schafft oft die deutlichste Verbesserung.

Die Blende ist bei Porträts zu weit geöffnet

Bei f/1,4 kann die Schärfentiefe sehr gering sein. Dadurch wird vielleicht ein Auge scharf, während das andere bereits weich erscheint.

Eine Blende von f/2,8 oder f/4 ist häufig der bessere Ausgangspunkt.

Bokeh wird mit Schärfentiefe verwechselt

Viel Hintergrundunschärfe bedeutet nicht automatisch, dass die unscharfen Bereiche angenehm aussehen.

Achte deshalb auch auf Lichtpunkte, Linien und störende Strukturen im Hintergrund.

Die Sensorgröße wird überschätzt

Ein größerer Sensor erleichtert geringe Schärfentiefe bei vergleichbarem Bildausschnitt. Er ersetzt aber keine bewusste Wahl von Blende, Brennweite und Abständen.

Auch mit kleineren Sensoren sind überzeugende Freistellungen möglich.

Eine einfache Übung für mehr Verständnis

Du kannst die vier Einflussfaktoren mit einem unbewegten Motiv selbst ausprobieren. Eine Tasse, eine Pflanze oder eine kleine Figur eignet sich gut.

Stelle das Motiv so auf, dass sich der Hintergrund mehrere Meter dahinter befindet. Verwende möglichst ein Stativ oder eine feste Unterlage.

Reihe 1: Nur die Blende verändern

Fotografiere dasselbe Motiv beispielsweise mit f/2,8, f/5,6 und f/11. Brennweite, Kameraposition und Fokuspunkt bleiben gleich.

Vergleiche anschließend den scharf wirkenden Bereich.

Reihe 2: Den Aufnahmeabstand verändern

Behalte Blende und Brennweite bei. Erstelle eine Aufnahme aus kurzer und eine aus größerer Entfernung.

Du wirst erkennen, dass die Schärfentiefe aus der Nähe deutlich geringer ist.

Reihe 3: Den Hintergrund verschieben

Lasse Kamera und Motiv an derselben Stelle. Verändere nur den Abstand des Hintergrunds.

Die Schärfentiefe am Motiv bleibt weitgehend gleich, während der Hintergrund deutlich weicher oder klarer erscheint.

Reihe 4: Die Brennweite vergleichen

Fotografiere zuerst mit einer kurzen und anschließend mit einer längeren Brennweite. Erstelle dabei einmal Aufnahmen vom gleichen Standort und einmal mit möglichst gleichem Bildausschnitt.

Dieser Vergleich zeigt, wie Brennweite, Vergrößerung und Aufnahmeabstand zusammenwirken.

So stellst du die Schärfentiefe bewusst ein

In der Praxis hilft eine einfache Reihenfolge:

  1. Entscheide, welche Motivbereiche scharf sein sollen.
  2. Lege den wichtigsten Fokuspunkt fest.
  3. Wähle eine passende Blende.
  4. Prüfe Brennweite und Aufnahmeabstand.
  5. Achte auf die Entfernung des Hintergrunds.
  6. Kontrolliere Belichtungszeit und ISO-Wert.
  7. Prüfe die Aufnahme vergrößert.

Ich beginne nicht automatisch mit einer bestimmten Blendenzahl. Zuerst überlege ich, welche Wirkung das Foto haben soll.

Am einfachsten kontrollierst du die Schärfentiefe meist in der Zeitautomatik A beziehungsweise Av. Wie sich dieser und die anderen Kameramodi unterscheiden, erkläre ich dir in einem eigenen Überblick.

Soll ein Motiv klar aus seiner Umgebung hervortreten, arbeite ich mit geringerer Schärfentiefe und einem möglichst ruhigen, weit entfernten Hintergrund. Soll die Umgebung ein wichtiger Teil des Bildes sein, wähle ich einen größeren Schärfebereich.

Mit etwas Übung wird diese Entscheidung genauso selbstverständlich wie die Wahl des Bildausschnitts.

Fazit: Schärfentiefe gezielt als Gestaltungsmittel nutzen

Die Schärfentiefe bestimmt, welcher Entfernungsbereich in deinem Foto ausreichend scharf erscheint. Sie wird nicht nur von der Blende beeinflusst, sondern auch von Brennweite, Sensorgröße und Aufnahmeabstand.

Für einen weichen Hintergrund helfen eine offene Blende, ein kurzer Abstand zum Motiv, eine längere Brennweite und ein großer Abstand zwischen Motiv und Hintergrund. Für eine größere Schärfentiefe kannst du die Blende schließen, weiter zurückgehen oder eine kürzere Brennweite verwenden.

Ich halte es für wichtiger, diese Zusammenhänge zu verstehen, als feste Blendenwerte auswendig zu lernen. Sobald du die vier Einflussfaktoren bewusst kombinierst, kannst du die Schärfe passend zu deiner Bildidee gestalten und vermeidest viele typische Fehlversuche.

Bei welchem Motiv fällt es dir bisher am schwersten, den gewünschten Schärfebereich zuverlässig einzustellen?

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