Was ist die Freihandgrenze und wie bestimmt man sie?

Hast du schon mal den Begriff Freihandgrenze, Reziprokenregel oder 1/Brennweite-Regel im Zusammenhang mit der Fotografie gehört? Gerade wenn du häufiger mit unscharfen Fotos zu kämpfen hast, solltest du dich mit diesem Thema vielleicht mal etwas genauer beschäftigen.

Aus diesem Grund habe ich hier mal die wichtigsten Informationen zur Freihandgrenze zusammengestellt. Denn es ist wirklich eine recht einfache Methode um unscharfe Fotos durch Verwacklungen zu vermeiden.

Was ist die Freihandgrenze?

Bild unscharf Freihandgrenze nicht beachtet
Bild leider leicht unscharf

Die die Freihandgrenze oder auch 1/Brennweite-Regel ist ein einfaches Hilfsmittel, um zu bestimmen, wie lang die Verschlusszeit sein darf, damit du noch ein scharfes Bild bekommst. Diese Regel besagt, dass du einfach die Brennweite nimmst, mit der du fotografierst (z. B. 50 mm), und den Nenner zu deiner Verschlusszeit machst. Ganz einfach!

Wenn du also mit einem 50-mm-Objektiv fotografierst, besagt die Regel, dass du keine kürzere Verschlusszeit als 1/50 wählen solltest, wenn du ein scharfes Bild haben willst. Du kannst also mit 1/80 oder 1/100 fotografieren und bist damit gut bedient, aber geh nicht auf 1/40 oder 1/20.

Ein anderes Beispiel: Wenn du mit 200 mm fotografierst, besagt die Regel, dass du nicht langsamer als 1/200 fotografieren solltest. 1/400 oder 1/640 oder schneller ist also in Ordnung, aber wähle nicht 1/180 oder etwas anderes unter 1/200.

Es gibt mehrere Probleme, wenn du die Freihandgrenze als das ultimative Argument für dieses Thema nimmst:

  1. Wenn du eine Kamera mit Crop-Sensor verwendest, musst du dann den Crop-Faktor in die Gleichung einbeziehen? 
  2. Wie sieht es mit der Bildstabilisierung aus? Kann man damit nicht schärfere Aufnahmen mit einer längeren Verschlusszeit machen?

Die Antwort auf beide Fragen lautet „Ja“!

Die passende Brennweite ermitteln

Fotografieren aus der Hand
Bild von Michal Jarmoluk auf Pixabay

Bei einer Vollformatkamera, egal ob Spiegelreflexkamera oder Systemkamera, kannst du die Freihandgrenze ganz einfach berechnen, indem du 1 durch deine Brennweite teilst (1/Brennweite). Aus diesem Grund wird die Freihandgrenze auch häufig als Reziprokenregel bezeichnet.

Hast du eine Kamera mit APS-C Sensor, dann musst du etwas umdenken. Wie bereits erwähnt, musst du den Crop-Faktor in die Gleichung mit einbeziehen. Bei Sony und Nikon beträgt er 1,5 und bei Canon 1,6.

Dementsprechend musst du die Formel leicht anpassen: 1/Brennweite x Crop-Faktor.

Und damit es noch etwas einfacher wird, habe ich hier mal für ein paar Brennweiten die maximalen Verschlusszeiten übersichtlich in einer Tabelle zusammengefasst.

BrennweiteVollformatCanon APS-CNikon & Sony APS-C
16 mm1/201/301/25
24 mm1/251/401/40
50 mm1/501/801/80
70 mm1/801/1251/125
200 mm1/2001/3201/300
400 mm1/4001/6401/600
600 mm1/6401/10001/800

Wie du sehen kannst, solltest du unbedingt auch den Crop-Faktor deiner Kamera mit in die Berechnung der „sicheren“ Verschlusszeit einbeziehen.

Diese Berechnungen zur Freihandgrenze gehen aber bisher davon aus, dass du in deiner Kamera oder in deinem Objektiv keinen Bildstabilisator aktiv hast.

Doch wie schaut es bei aktiviertem Bildstabilisator aus?

Freihandgrenze und Bildstabilisator – Wie passt das zusammen?

Bildstabilisator am Objektiv eingeschaltet

Fast alle Kameras sind heutzutage mit einem Bildstabilisator ausgestattet. Und sollte es mal nicht der Fall sein, wie bei meiner Canon EOS 200D z.B., dann findet er sich in den meisten Objektiven.

Die Aufgabe eines Bildstabilisators ist es natürlich, Verwacklungen möglichst soweit zu unterbinden, dass die Fotos auch bei längeren Belichtungszeiten scharf werden. Je nach Hersteller und verwendeter Technologie kann ein Bildstabilisator zwischen zwei und fünf Blendenstufen ausgleichen.

Das ermöglicht natürlich eine längere Belichtungszeit beim Fotografieren aus der Hand. Die Freihandgrenze musst du in diesem Fall nicht mehr beachten. Was genau möglich ist, solltest du einfach mal ausprobieren.

Zusammenfassung und Fazit

Unscharfe Fotos sind natürlich mehr als ärgerlich. Problem ist, dass es verschiedene Gründe dafür gibt, warum Fotos unscharf werden. Einer der möglichen Gründe ist eine zu lange Verschlusszeit beim Fotografieren aus der Hand. Schnell kommt es so zu Verwacklungen, weil man die Kamera eben doch nicht so ruhig halten kann. Insbesondere bei langen Brennweiten.

Die Freihandgrenze, oder auch bekannt als Reziprokenregel, kann eine schnelle und einfache Hilfe sein, wenn es Probleme mit unscharfen Fotos gibt. Einfach darauf achten, dass die Verschlusszeit entsprechend der Brennweite gewählt wird.

Natürlich gilt das alles nur, wenn du kein Stativ verwendest.

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