Du drückst ab, auf dem Kameradisplay sieht alles stimmig aus. Zu Hause lädst du das Bild bei Instagram hoch und plötzlich fehlt ein Teil des Himmels. Oder du bestellst einen Abzug in DIN A4 und stellst fest, dass dein Foto nicht ohne Beschnitt auf das Papier passt.
Der Grund dafür ist das Seitenverhältnis. Es bestimmt, wie breit oder hoch dein Bild wirkt und welche Bereiche beim Zuschneiden verloren gehen. Trotzdem lassen viele Fotografen die Werkseinstellung ihrer Kamera unangetastet und beschäftigen sich erst mit dem Format, wenn beim Druck oder auf Social Media etwas abgeschnitten wird.
Dabei sind Seitenverhältnisse in der Fotografie kein schwieriges Thema. Du musst nur wissen, welche Formate es gibt, wie sie die Bildwirkung verändern und wie viele Pixel ein Zuschnitt kosten kann. Genau das zeige ich dir hier an einem meiner Bilder vom Klusfelsen, das du gleich in vier verschiedenen Seitenverhältnissen sehen wirst.
Was ein Seitenverhältnis ist
Das Seitenverhältnis beschreibt, wie sich die Breite eines Fotos zu seiner Höhe verhält. Geschrieben wird es als gekürztes Verhältnis, zum Beispiel 3:2. Das bedeutet: Auf drei Einheiten Breite kommen zwei Einheiten Höhe.
Mit der Auflösung hat das zunächst nichts zu tun. Ein Foto mit 6.000 × 4.000 Pixeln und eine verkleinerte Version mit 1.500 × 1.000 Pixeln haben beide das Seitenverhältnis 3:2. Das eine besitzt 24 Megapixel, das andere nur 1,5 Megapixel – die Form des Bildes bleibt trotzdem gleich.

Drehst du die Kamera ins Hochformat, dreht sich das Verhältnis mit. Aus 3:2 wird dann 2:3, aus 4:3 entsprechend 3:4. Im Kameramenü steht trotzdem weiterhin 3:2 oder 4:3, denn dort wird das Seitenverhältnis unabhängig davon angegeben, ob du die Kamera quer oder hochkant hältst.
Das Grundformat hängt bei den meisten Kameras vom verwendeten Sensor beziehungsweise von der genutzten Sensorfläche ab. Vollformat- und APS-C-Kameras arbeiten in der Regel mit 3:2, Micro-Four-Thirds-Kameras meist mit 4:3. Auch viele Kompaktkameras und Smartphones liefern ihre maximale Bildfläche im Format 4:3.
Wählst du in der Kamera ein anderes Seitenverhältnis, wird normalerweise ein Teil dieser Bildfläche weggeschnitten. Dasselbe passiert, wenn du das Foto später am Rechner zuschneidest. Zusätzliche Bildfläche bekommst du durch den Formatwechsel also nicht.
Wenn du mehr über die unterschiedlichen Sensorgrößen wissen möchtest, findest du die Grundlagen in meinem Beitrag über Kamera-Sensorgrößen und Sensorformate.
Dasselbe Motiv in vier Formaten
Wie stark das Seitenverhältnis die Bildwirkung verändert, siehst du am besten am selben Motiv. Die folgenden vier Bilder zeigen dieselbe Aufnahme vom Klusfelsen bei Halberstadt. Fotografiert habe ich sie mit meiner damaligen Lumix FZ1000 im Format 3:2. Die anderen drei Varianten sind Zuschnitte aus dieser Aufnahme.
3:2 – die Aufnahme, wie sie aus der Kamera kam

Das ist die Aufnahme im vollen 3:2-Format. Der Sandsteinfels sitzt leicht rechts der Mitte, darüber steht der Wolkenhimmel und unten läuft der felsige Hang mit den hellen Steinblöcken auf den Betrachter zu. Die Birken links und der Kiefernast rechts bilden einen natürlichen Rahmen um das Motiv.
16:9 – flacher und filmischer, aber mit weniger Vordergrund

Für 16:9 wird das Bild oben und unten beschnitten. Insgesamt gehen dabei rund 16 Prozent der ursprünglichen Bildhöhe verloren. Das Bild wirkt breiter und ruhiger, der Blick wandert stärker von links nach rechts.
Bezahlt wird diese Wirkung mit Bildfläche am oberen und unteren Rand. In meinem Beispiel verschwindet ein großer Teil des felsigen Vordergrunds mit den hellen Sandsteinblöcken. Dadurch verliert das Bild etwas von seiner räumlichen Tiefe und der Fels wirkt stärker zwischen den Bäumen eingebettet.
4:3 – mehr Höhenwirkung, engerer Rahmen

Bei 4:3 passiert das Gegenteil. Da die Bildhöhe erhalten bleibt, muss ich links und rechts etwas wegnehmen. Insgesamt verschwinden rund elf Prozent der ursprünglichen Bildbreite, also gut fünf Prozent auf jeder Seite.
Himmel und Vordergrund bleiben dadurch vollständig erhalten. Der Fels nimmt im schmaleren Rahmen mehr Raum ein und wirkt etwas höher. Gleichzeitig wird die Birkengruppe links angeschnitten und vom Kiefernast rechts bleibt weniger übrig.
1:1 – alles auf den Fels konzentriert

Das Quadrat verlangt den stärksten Beschnitt dieser vier Varianten. Ein Drittel der ursprünglichen Bildbreite fällt weg. Von den 5.472 Pixeln Breite bleiben noch 3.648 übrig. Aus knapp 20 Megapixeln werden dadurch rund 13,3 Megapixel.
Vom seitlichen Rahmen bleibt nur wenig übrig, dafür stehen Himmel und Hang jetzt stärker übereinander. Der Blick konzentriert sich auf den Fels, weil links und rechts deutlich weniger zu entdecken ist.
Vier Bilder, aber nur eine einzige Aufnahme. Drei der Varianten habe ich erst später am Rechner erstellt. Genau deshalb fotografiere ich normalerweise im vollen Format meiner Kamera und entscheide über den endgültigen Ausschnitt erst danach.
Wegschneiden kannst du später immer – fehlende Bildfläche zurückholen kannst du nicht.
Woher die gängigen Formate kommen
Die heute üblichen Seitenverhältnisse haben sehr unterschiedliche Ursprünge. Manche kommen direkt aus der Fotografie, andere aus dem Kino oder der Fernsehtechnik. Viele davon sind so verbreitet, dass wir ihre Form heute ganz selbstverständlich mit bestimmten Motiven oder Medien verbinden.
3:2 ist eng mit der Geschichte der Kleinbildfotografie verbunden. Oskar Barnack entwickelte bei Leitz die Ur-Leica und nutzte dafür 35-mm-Kinofilm, den er quer durch die Kamera laufen ließ. Dadurch entstand ein Aufnahmeformat von 24 × 36 Millimetern – also genau 3:2. Die Ur-Leica wurde 1914 fertiggestellt, und das Kleinbildformat prägt die Fotografie bis heute. Moderne Vollformatsensoren übernehmen mit rund 24 × 36 Millimetern praktisch dieselben Proportionen.
4:3 kennst du vor allem aus älteren Fernsehgeräten und aus der Digitalfotografie. Ein ähnliches Verhältnis war bereits im frühen Kino verbreitet und wurde später zum klassischen Fernsehformat. In der Fotografie findest du 4:3 heute unter anderem bei Micro-Four-Thirds-Kameras sowie bei vielen Kompaktkameras und Smartphones.
1:1 wurde besonders durch das Mittelformat bekannt. Kameras wie die Rolleiflex nahmen quadratische Bilder auf 6 × 6 Zentimeter großem Rollfilm auf. Das Quadrat hatte dabei einen ganz praktischen Vorteil: Eine Kamera mit Lichtschachtsucher musste für Hoch- oder Querformat nicht gedreht werden. Gleichzeitig entwickelte sich daraus eine ganz eigene, sehr ruhige Art der Bildgestaltung.
4:5 beziehungsweise 5:4 begegnet uns schon lange in der Großformatfotografie. Klassische Planfilme mit 4 × 5 oder 8 × 10 Zoll haben genau diese Proportionen. Heute findest du das Verhältnis weiterhin bei Abzügen und Wandbildern – und als Hochformat 4:5 auch auf Social-Media-Plattformen.
16:9 stammt dagegen aus der Fernsehtechnik. Das Breitbildformat setzte sich mit modernen Fernseh- und HDTV-Systemen durch und ist heute bei Fernsehern, Monitoren und Videoinhalten allgegenwärtig. Deshalb bieten inzwischen auch viele Kameras 16:9 als wählbares Bildverhältnis an, obwohl der Sensor selbst meist ein anderes Format besitzt.
Die Herkunft eines Seitenverhältnisses sagt allerdings noch nicht, welches Format für dein Foto am besten funktioniert. Entscheidend ist immer, wie das Verhältnis zum Motiv und zur späteren Verwendung passt.
Die gängigen Seitenverhältnisse im Überblick
Mit einigen wenigen Seitenverhältnissen deckst du in der Fotografie bereits fast alle typischen Anwendungen ab. Welches davon am besten passt, hängt vom Motiv, von der Bildgestaltung und davon ab, wo du das Foto später zeigen möchtest.
3:2 (Verhältnis 1,5)
3:2 ist das typische Format vieler Vollformat- und APS-C-Kameras. Es wirkt etwas breiter als 4:3, ohne schon den ausgeprägten Panorama-Eindruck von 16:9 zu erzeugen. Besonders praktisch ist, dass klassische Fotoabzüge wie 10 × 15, 20 × 30 oder 30 × 45 Zentimeter ebenfalls 3:2 entsprechen. Dein Foto kann dort ohne zusätzlichen Formatbeschnitt ausgegeben werden.
4:3 (Verhältnis 1,33)
4:3 ist kompakter und im Verhältnis etwas höher als 3:2. Du findest es unter anderem bei Micro-Four-Thirds-Kameras sowie bei vielen Kompaktkameras und Smartphones. Das Format eignet sich gut für Motive, bei denen die Höhe eine wichtige Rolle spielt, beispielsweise Bäume, Gebäude oder stehende Tiere. Auch Landschaften funktionieren in 4:3 sehr gut, wenn Vordergrund und Himmel genügend Raum bekommen sollen.
16:9 (Verhältnis 1,78)
16:9 ist das typische Breitbildformat moderner Fernseher und vieler Monitore. Bei Landschaften kann es Weite betonen und einen fast filmischen Eindruck erzeugen. Aus einem 3:2- oder 4:3-Foto entsteht 16:9 allerdings durch Beschnitt an der oberen und unteren Bildkante. Du solltest deshalb darauf achten, dass dort keine wichtigen Motivteile liegen.
1:1 (Quadrat)
Beim Quadrat sind Breite und Höhe identisch. Dadurch besitzt das Bild keine ausgeprägte horizontale oder vertikale Richtung und wirkt häufig ruhig und grafisch. Zentrale und symmetrische Motive funktionieren besonders gut, sind aber keineswegs Pflicht. Auch asymmetrische Bildaufteilungen können im Quadrat sehr spannend wirken. Typische Motive sind Details, Blüten, Stillleben, Porträts und Architekturausschnitte.
4:5 beziehungsweise 5:4
4:5 bezeichnet normalerweise die Hochformatvariante, 5:4 entsprechend das Querformat. Die Proportionen sind deutlich kompakter als bei 2:3 und eignen sich deshalb gut für Porträts, Stillleben und viele Motive mit einem klaren Hauptmotiv. 4:5 ist außerdem ein verbreitetes Format für Social Media sowie für bestimmte Abzüge und Wandbilder.
21:9 und andere Panoramaformate
Sehr breite Seitenverhältnisse wie 21:9 lenken den Blick stark in die Horizontale. Sie eignen sich besonders für Landschaften, Stadtansichten und andere Motive, die sich über eine große Breite erstrecken.
Ein solches Panorama kannst du auf zwei Arten erstellen: Du kannst ein einzelnes Foto entsprechend stark zuschneiden oder mehrere Aufnahmen zu einem Panorama zusammensetzen. Beim Zuschnitt eines einzelnen Bildes geht allerdings viel Bildfläche verloren. Mehrere Einzelaufnahmen haben deshalb den Vorteil, dass am Ende deutlich mehr Auflösung für einen großen Ausdruck zur Verfügung stehen kann.
Daneben gibt es weitere Seitenverhältnisse wie 7:5 oder andere klassische Film- und Papierformate. Im normalen Fotoalltag spielen sie heute allerdings eine deutlich kleinere Rolle.
Was dich der Beschnitt an Pixeln kostet
Jedes Seitenverhältnis, das vom aufgenommenen Format abweicht, entsteht durch Wegschneiden. Wie viele Pixel dabei verloren gehen, hängt allerdings nicht nur vom Zielverhältnis ab. Entscheidend ist auch, ob du das Foto bereits quer oder hochkant passend zum späteren Format aufgenommen hast.
Das erste Beispiel ist meine Nikon D5600. Sie nimmt mit 6.000 × 4.000 Pixeln auf, also mit 24 Megapixeln im Verhältnis 3:2.
| Format | Pixel nach dem Zuschnitt | Megapixel | Verlust |
|---|---|---|---|
| 3:2 quer (Original) | 6000 × 4000 | 24,0 | 0 % |
| 4:3 quer | 5333 × 4000 | 21,3 | 11 % |
| 16:9 quer | 6000 × 3375 | 20,3 | 16 % |
| 5:4 quer | 5000 × 4000 | 20,0 | 17 % |
| 1:1 | 4000 × 4000 | 16,0 | 33 % |
| 21:9 quer | 6000 × 2571 | 15,4 | 36 % |
| 4:5 hochkant* | 4000 × 5000 | 20,0 | 17 % |
| 9:16 hochkant* | 3375 × 6000 | 20,3 | 16 % |
* Ausgangspunkt ist hier eine hochkant aufgenommene Datei mit 4.000 × 6.000 Pixeln, also 2:3.
Damit wird ein wichtiger Punkt deutlich: 4:5 und 9:16 kosten nicht automatisch besonders viel Auflösung. Wenn ich die Kamera schon beim Fotografieren ins Hochformat drehe, verliere ich beim Wechsel von 2:3 auf 4:5 nur rund 17 Prozent und bei 9:16 rund 16 Prozent der Bildfläche.
Ganz anders sieht es aus, wenn ich aus einem waagerechten 6.000 × 4.000-Pixel-Foto nachträglich ein senkrechtes Bild herausschneiden möchte. Für 4:5 bleiben dann maximal 3.200 × 4.000 Pixel beziehungsweise 12,8 Megapixel übrig. Bei 9:16 sind es sogar nur 2.250 × 4.000 Pixel beziehungsweise 9 Megapixel.
In diesem Fall gehen tatsächlich rund 47 beziehungsweise 63 Prozent der ursprünglichen Bildfläche verloren. Der große Verlust entsteht aber vor allem durch den Wechsel von Quer- zu Hochformat – nicht allein durch das Seitenverhältnis.

Mit 4:3 als Ausgangsformat sieht die Rechnung anders aus
Startest du mit 4:3, verschieben sich die Werte. Meine Nikon P900, mit der ich besonders gern unterwegs bin, nimmt mit 4.608 × 3.456 Pixeln auf. Das sind knapp 16 Megapixel. Die verschiedenen Bildgrößen und Aufnahmeoptionen findest du auch im offiziellen Referenzhandbuch der Nikon COOLPIX P900.
| Format | Pixel nach dem Zuschnitt | Megapixel | Verlust |
|---|---|---|---|
| 4:3 quer (Original) | 4608 × 3456 | 15,9 | 0 % |
| 3:2 quer | 4608 × 3072 | 14,2 | 11 % |
| 5:4 quer | 4320 × 3456 | 14,9 | 6 % |
| 16:9 quer | 4608 × 2592 | 11,9 | 25 % |
| 1:1 | 3456 × 3456 | 11,9 | 25 % |
| 4:5 hochkant* | 3456 × 4320 | 14,9 | 6 % |
* Ausgangspunkt ist eine hochkant aufgenommene Datei mit 3.456 × 4.608 Pixeln, also 3:4.
Auch hier zeigt sich: Der Weg ins Quadrat kostet von 4:3 aus nur ein Viertel der Bildfläche statt eines Drittels wie bei 3:2. Der Wechsel zu 16:9 fällt dafür stärker ins Gewicht. Dort gehen 25 Prozent verloren.
Interessant ist außerdem, dass 16:9 und 1:1 bei meiner P900 auf exakt dieselbe Pixelzahl kommen. Beim einen wird die Bildhöhe gekürzt, beim anderen die Breite. Die verbleibende Bildfläche ist trotzdem gleich groß.
Die Ausrichtung ist genauso wichtig wie das Seitenverhältnis
Für die Praxis ist das fast wichtiger als die Prozentwerte selbst. Weißt du schon beim Fotografieren, dass du ein Bild später im Hochformat 4:5 oder 9:16 brauchst, solltest du die Kamera auch hochkant halten.
Aus einem passenden Hochformat musst du nur etwas an den Rändern entfernen. Versuchst du dagegen, aus einem Querformat nachträglich ein Hochformat zu machen, fällt ein großer Teil des ursprünglichen Fotos weg.
Das gilt natürlich auch umgekehrt: Ein hochkant aufgenommenes Foto bietet deutlich weniger Reserve, wenn du später daraus ein breites 16:9-Bild machen möchtest.
Was das für den Druck bedeutet
Für normale Ausdrucke sind viele dieser Verluste trotzdem kein großes Problem. Ein DIN-A4-Ausdruck mit 300 ppi benötigt ungefähr 8,7 Megapixel. Für DIN A3 sind es etwa 17,4 Megapixel.
Selbst ein deutlich zugeschnittenes Foto kann deshalb noch problemlos für A4 reichen. Kritischer wird es, wenn zum Formatwechsel noch ein starker Ausschnitt hinzukommt. Bei Tier- und Vogelaufnahmen passiert mir genau das regelmäßig, weil das eigentliche Motiv oft nur einen Teil des ursprünglichen Bildes einnimmt.
Deshalb versuche ich, nicht erst frei zuzuschneiden und anschließend noch einmal das Seitenverhältnis zu ändern. Besser ist es, im Bildbearbeitungsprogramm direkt das gewünschte Seitenverhältnis einzustellen und Bildausschnitt und Format in einem einzigen Zuschnitt festzulegen.
So schneidest du nur einmal und behältst so viele Pixel wie möglich.
Das Seitenverhältnis an der Kamera einstellen
Bevor du im Kameramenü nach dem Seitenverhältnis suchst, solltest du drei Dinge auseinanderhalten, die leicht miteinander verwechselt werden: Sensorformat, Bildverhältnis und Bildgröße.
Das Sensorformat ist durch die Kamera vorgegeben. Es bestimmt die Form der maximal nutzbaren Sensorfläche. Bei vielen Vollformat- und APS-C-Kameras liegt das Verhältnis bei 3:2, bei Micro-Four-Thirds-Kameras bei 4:3. Ändern kannst du die physische Form des Sensors natürlich nicht.
Das Bildverhältnis ist die Einstellung, um die es in diesem Artikel geht. Je nach Kamera kannst du beispielsweise zwischen 3:2, 4:3, 16:9 und 1:1 wählen. Entscheidest du dich für ein Verhältnis, das von der vollständig genutzten Sensorfläche abweicht, verwendet die Kamera nur einen entsprechenden Ausschnitt.
Die Bildgröße ist etwas anderes. Einstellungen wie L, M oder S bestimmen in erster Linie, mit wie vielen Pixeln das Foto gespeichert wird. Du kannst deshalb beispielsweise ein Bild im Verhältnis 16:9 aufnehmen und zusätzlich eine kleinere Bildgröße wählen. Seitenverhältnis und Auflösung sind zwei getrennte Einstellungen.

Auf dem Foto siehst du das Aufnahmemenü meiner früheren Lumix FZ1000. „Bildverhält.“ und „Bildgröße“ stehen dort als getrennte Menüpunkte direkt untereinander. Beim Bildverhältnis kann ich zwischen 4:3, 3:2, 16:9 und 1:1 wählen.
Markiert ist 3:2. Die Kamera weist dabei darauf hin, dass dieses Verhältnis dem klassischen 35-mm-Kleinbildformat entspricht. Genau dieses 24 × 36-mm-Format habe ich weiter oben bei der Entstehung von 3:2 beschrieben.
RAW und JPEG können unterschiedlich behandelt werden
Besonders aufmerksam solltest du werden, wenn du in RAW fotografierst. Wie die Kamera ein eingestelltes Seitenverhältnis behandelt, hängt nämlich vom jeweiligen Modell ab.
Bei JPEG wird das Foto normalerweise direkt im gewählten Seitenverhältnis gespeichert. Bildbereiche außerhalb dieses Ausschnitts befinden sich dann nicht mehr in der JPEG-Datei.
Bei RAW kann es anders aussehen. Manche Kameras speichern weiterhin die gesamte verfügbare Sensorfläche und hinterlegen das gewählte Seitenverhältnis lediglich als Beschnittinformation. Das Bildbearbeitungsprogramm zeigt dann zunächst den vorgesehenen Ausschnitt, die ausgeblendeten Bereiche können aber weiterhin in der RAW-Datei vorhanden sein.
Andere Kameras besitzen dagegen spezielle Aufnahmebereiche oder Crop-Modi, bei denen auch die RAW-Datei nur den gewählten Bildbereich enthält.
Wenn du mit RAW arbeitest und ein anderes Seitenverhältnis direkt an der Kamera einstellen möchtest, lohnt sich deshalb ein Blick ins Handbuch deines Modells. Verlasse dich nicht darauf, dass sich der Beschnitt später grundsätzlich wieder rückgängig machen lässt.
Kann deine Kamera das vollständige RAW speichern und das Seitenverhältnis nur als Beschnittinformation hinterlegen, ist das besonders praktisch: Du kannst bereits beim Fotografieren im gewünschten Format komponieren und behältst trotzdem die zusätzliche Bildfläche als Reserve.
Was du im Sucher siehst
Bei einer spiegellosen Kamera oder beim Fotografieren über das Display kann die Kamera das gewählte Seitenverhältnis direkt bei der Bildgestaltung berücksichtigen. Je nach Modell werden die Bereiche außerhalb des späteren Fotos ausgeblendet, abgedunkelt oder durch Begrenzungslinien gekennzeichnet.
Dadurch siehst du schon vor dem Auslösen recht genau, wie dein Foto beispielsweise in 1:1 oder 16:9 wirken wird.
Bei einer Spiegelreflexkamera mit optischem Sucher ist das schwieriger. Der optische Sucher selbst kann das reale Bild nicht einfach elektronisch beschneiden. Manche Kameras können Hilfslinien oder Markierungen anzeigen, bei anderen musst du dir den späteren Ausschnitt vorstellen. Im Live-View sieht das wiederum anders aus, weil dort das Kameradisplay verwendet wird.
Nicht jede Kamera bietet verschiedene Seitenverhältnisse an
Bevor du lange im Menü suchst, solltest du wissen: Nicht jede Kamera bietet überhaupt eine Auswahl verschiedener Seitenverhältnisse.
Meine Nikon D5600 ist dafür ein gutes Beispiel. Bei Fotos arbeitet sie im normalen Aufnahmebetrieb mit 3:2, und eine Auswahl wie 4:3, 16:9 oder 1:1 gibt es dort nicht. Möchte ich ein anderes Format, schneide ich das Foto anschließend am Rechner zu.
Meine Nikon P900 bietet dagegen mehrere Bildgrößen mit unterschiedlichen Seitenverhältnissen an. Obwohl sie die einfachere Kamera ist, habe ich dort also mehr Auswahl.
Daran siehst du, dass sich die verfügbaren Einstellungen nicht pauschal am Hersteller oder an der Kameraklasse festmachen lassen. Es hängt vom einzelnen Modell ab.
Auch die Bezeichnung im Menü unterscheidet sich:
- Panasonic: beispielsweise „Bildverhältnis“
- Sony: häufig „Seitenverhältnis“
- Nikon: je nach Modell über Bildgröße oder Aufnahmebereich beziehungsweise ohne entsprechende Auswahl
Bei anderen Kameras findest du ähnliche Begriffe wie „Bildverhältnis“, „Seitenverhältnis“, „Bildformat“ oder „Aufnahmebereich“. Im Zweifel ist das Handbuch zuverlässiger als langes Suchen im Kameramenü.
Wenn deine Kamera einen schnellen Zugriff über eine Fn-Taste oder ein konfigurierbares Schnellmenü erlaubt, kannst du die Einstellung dort ablegen. Das ist besonders praktisch, wenn du regelmäßig zwischen zwei Seitenverhältnissen wechselst.
Welches Format zu welchem Motiv passt
Ein festes Seitenverhältnis für bestimmte Motive gibt es nicht. Trotzdem haben sich einige Kombinationen bewährt, weil sie die typische Bildwirkung eines Motivs unterstützen. Entscheidend ist vor allem, ob dein Motiv eher in die Breite oder in die Höhe wirkt und wie viel Umgebung du zeigen möchtest.
Landschaft. Für Landschaftsfotos funktioniert das Sensorformat deiner Kamera meist sehr gut. 3:2 betont die Breite, ohne Himmel und Vordergrund zu stark zu beschneiden. 4:3 wirkt etwas kompakter und gibt Vordergrund und Himmel mehr Raum. Zu 16:9 greife ich vor allem dann, wenn die Szene stark in die Breite wirkt oder oben und unten wenig Wichtiges passiert. Am Klusfelsen siehst du gut, wie stark sich dadurch die Bildwirkung verändert: Im breiten Zuschnitt geht ein Teil des Vordergrunds verloren und damit auch etwas räumliche Tiefe. Mehr dazu findest du in meinen Tipps für bessere Landschaftsbilder.
Porträts und Menschen. Bei einzelnen Personen bietet sich häufig das Hochformat an, weil es der aufrechten Körperform entgegenkommt. 2:3 lässt vergleichsweise viel Raum für Oberkörper und Umgebung, 4:5 wirkt kompakter und konzentriert sich stärker auf die Person. Für Kopfporträts oder sehr ruhige Kompositionen kann auch 1:1 gut funktionieren. Ein Querformat ist aber keineswegs falsch, besonders wenn die Umgebung Teil der Geschichte sein soll.
Architektur. Hohe Gebäude lassen sich oft gut im Hochformat darstellen, weil die vertikale Wirkung unterstützt wird. Für Fassaden, Brücken, Innenräume oder Stadtansichten kann dagegen ein breites Format besser passen. 16:9 eignet sich beispielsweise dann, wenn die Architektur stark horizontal aufgebaut ist. Weitere Hinweise findest du in meinem Beitrag zur Architekturfotografie.
Tiere und Vögel. Hier fotografiere ich möglichst im vollständigen Format meiner Kamera. Gerade bei Vögeln muss ich später häufig noch stark zuschneiden, und dafür möchte ich so viele Pixel wie möglich behalten. Das endgültige Seitenverhältnis lege ich deshalb erst bei der Bildbearbeitung fest. Welche Einstellungen bei solchen Motiven sonst noch wichtig sind, habe ich bei den Kameraeinstellungen für die Vogelfotografie zusammengefasst.
Details, Blüten und Stillleben. Kompakte Seitenverhältnisse wie 4:3, 5:4 oder 1:1 können bei diesen Motiven besonders gut funktionieren. Das Quadrat eignet sich beispielsweise für ruhige, grafische Kompositionen oder ein klar hervorgehobenes Hauptmotiv. Du bist dabei aber nicht auf eine zentrale Anordnung festgelegt.
Für Bildschirm und Präsentation. Soll dein Foto als Hintergrundbild, in einer Präsentation oder auf einem Fernseher gezeigt werden, kann 16:9 sinnvoll sein. Das Format passt gut zu vielen modernen Displays. Je nach Gerät können allerdings auch andere Seitenverhältnisse ohne störenden Beschnitt dargestellt werden.
Das wichtigste Kriterium bleibt deshalb immer das Motiv selbst. Das Seitenverhältnis sollte die Bildwirkung unterstützen und nicht umgekehrt das Motiv in ein bestimmtes Format zwingen.
Wie ich es selbst handhabe
Bei mir ist die Antwort auf die Frage nach dem richtigen Seitenverhältnis seit Jahren ziemlich einfach: Ich fotografiere grundsätzlich im vollständigen Format meiner Kamera.
Mit meiner Nikon P900 ist das 4:3, mit der D5600 3:2. Auch wenn die P900 andere Seitenverhältnisse anbietet, lasse ich sie normalerweise auf dem größtmöglichen Bildfeld stehen und entscheide erst später am Rechner über den endgültigen Zuschnitt.
Der Hauptgrund dafür sind meine Vogelaufnahmen. Selbst mit der langen Brennweite der P900 komme ich nicht immer nah genug an das Motiv heran. Beim Bearbeiten muss ich deshalb häufig deutlich in das Bild hineinzoomen und einen engeren Ausschnitt wählen.
Dabei zählt jeder Pixel. Wenn ich schon in der Kamera auf ein anderes Seitenverhältnis umstelle, gebe ich einen Teil der vorhandenen Bildfläche bereits vor der eigentlichen Bearbeitung auf. Diese Reserve möchte ich lieber behalten.
Genau deshalb ist mir ein Problem praktisch noch nie passiert: dass mir beim späteren Zuschneiden Bildfläche fehlt, weil ich vorher in der Kamera ein ungünstiges Seitenverhältnis gewählt habe.
Ich fotografiere möglichst groß und flexibel und lege das endgültige Format erst fest, wenn ich weiß, wofür ich das Bild verwenden möchte.
Für Dirks-Fotoecke.de bringe ich die Bilder anschließend einheitlich auf 3:2. Auch Fotos aus der P900 werden dafür entsprechend zugeschnitten. Dabei geht zwar etwas Bildfläche verloren, aber das einheitliche Format auf der Website ist mir diesen kleinen Kompromiss wert.
Für mich ist das der beste Mittelweg: Beim Fotografieren möglichst wenig festlegen, beim Bearbeiten gezielt entscheiden.
Seitenverhältnisse für Social Media und Print
Spätestens wenn du ein Foto veröffentlichen oder ausdrucken möchtest, spielt das Seitenverhältnis noch einmal eine wichtige Rolle. Social-Media-Plattformen und Papierformate haben ihre eigenen Proportionen – und die passen nicht immer zum Format deiner Kamera.
Bei Social Media kommt noch dazu, dass sich Vorgaben ändern können. Wenn du Bilder speziell für eine Plattform vorbereitest, lohnt sich deshalb gelegentlich ein Blick auf die aktuellen Empfehlungen.
Instagram unterstützt bei normalen Fotobeiträgen Seitenverhältnisse von 1,91:1 im Querformat bis 3:4 im Hochformat. Damit kannst du heute unter anderem 3:2, 4:3, 1:1, 4:5 und 3:4 verwenden, ohne dein Foto grundsätzlich auf das frühere Quadrat beschränken zu müssen.
Für Fotos, die auf dem Smartphone möglichst viel Platz einnehmen sollen, sind Hochformate besonders interessant. 4:5 mit beispielsweise 1080 × 1350 Pixeln ist weiterhin ein verbreitetes Format. Noch etwas höher ist 3:4, das Instagram inzwischen ebenfalls für Fotobeiträge unterstützt.
Für Stories und Reels ist 9:16 das typische Vollbildformat. Bei Reels nennt Instagram 9:16 als das maximale Hochformat und verwendet dieses Verhältnis auch für die bildschirmfüllende Darstellung.
Wichtig ist dabei die Erkenntnis aus dem Abschnitt über den Pixelverlust: Fotografierst du schon hochkant, ist der Zuschnitt von 2:3 auf 9:16 vergleichsweise klein. Versuchst du dagegen, aus einem waagerechten Foto nachträglich ein 9:16-Hochformat herauszuschneiden, geht ein großer Teil der ursprünglichen Aufnahme verloren.
Für Facebook gibt es nicht das eine Seitenverhältnis, das du für jedes Foto verwenden musst. Für Feed-Platzierungen unterstützt Meta unter anderem 1:1 und 4:5 und empfiehlt bei einzelnen Hochformatbildern besonders 4:5.
Für Fotos ist das praktisch, weil du je nach Motiv sowohl ein Quadrat als auch ein höheres Bild verwenden kannst. Möchtest du auf dem Smartphone möglichst viel Bildschirmfläche nutzen, hat 4:5 gegenüber einem breiten 16:9-Bild einen deutlichen Vorteil.
Ein Foto nur deshalb auf 16:9 zuzuschneiden, weil es bei Facebook veröffentlicht werden soll, ist also nicht notwendig.
X
Auch bei X musst du dich bei einem einzelnen Foto nicht auf 16:9 festlegen. Laut X werden Einzelbilder mit Seitenverhältnissen zwischen 2:1 im Querformat und 3:4 im Hochformat vollständig angezeigt.
Damit liegen viele typische Fotoformate innerhalb dieses Bereichs: 16:9, 3:2, 4:3, 1:1, 4:5 und auch 3:4.
Du kannst das Seitenverhältnis deshalb stärker nach deinem Motiv auswählen, statt jedes Foto für X zwangsläufig ins Breitbildformat zu schneiden.
Beim Drucken stößt du auf ein ganz anderes Problem: Die klassischen Fotoformate und die DIN-Reihe besitzen unterschiedliche Seitenverhältnisse.
Sehr gut zusammen passen 3:2 und klassische Abzüge wie 10 × 15, 20 × 30 oder 30 × 45 Zentimeter. Ein Foto im Verhältnis 3:2 kann diese Formate ohne zusätzlichen Seitenbeschnitt füllen.
Bei 4:3 passt beispielsweise 15 × 20 Zentimeter exakt. Auch hier stimmen die Proportionen von Bild und Papier überein.
DIN-Papier sieht dagegen anders aus. DIN A4 misst 210 × 297 Millimeter und besitzt ein Seitenverhältnis von ungefähr 1,41:1. Dieser Wert liegt zwischen 4:3 mit 1,33:1 und 3:2 mit 1,5:1.
Möchtest du ein 3:2- oder 4:3-Foto randlos auf DIN A4 ausgeben, muss deshalb etwas vom Bild abgeschnitten werden. Interessanterweise liegt der Flächenverlust bei beiden Ausgangsformaten bei ungefähr sechs Prozent – nur an unterschiedlichen Seiten.
Bei 3:2 wird an der längeren Bildkante gekürzt. Bei 4:3 muss dagegen etwas von der kürzeren Kante verschwinden.
Sechs Prozent sind nicht dramatisch. Liegt aber ein Kopf, ein Kirchturm oder ein anderes wichtiges Motivteil direkt am Rand, können schon diese wenigen Prozent störend sein.
Wenn du bereits beim Fotografieren weißt, dass ein Foto später in einem bestimmten Papierformat gedruckt werden soll, lohnt es sich deshalb, etwas zusätzlichen Platz um das Hauptmotiv einzuplanen.
Das gilt besonders für Leinwände. Dort kann zusätzlich ein Teil des Bildes um den Rahmen gezogen werden, sodass an den Außenkanten noch mehr Sicherheitsabstand sinnvoll ist.
Fazit
Das Seitenverhältnis beeinflusst nicht nur die Form eines Fotos, sondern auch seine Wirkung und die nutzbare Bildfläche. 3:2 wirkt etwas breiter, 4:3 kompakter, 16:9 betont die Horizontale und 1:1 konzentriert den Blick stärker auf das Motiv.
Am Beispiel des Klusfelsens hast du gesehen, wie deutlich sich dieselbe Aufnahme allein durch den Zuschnitt verändern kann. Beim Wechsel des Seitenverhältnisses wird keine zusätzliche Bildfläche gewonnen – es fällt immer etwas vom ursprünglichen Foto weg.
Wie groß dieser Verlust ausfällt, hängt allerdings auch von der Ausrichtung ab. Ein Hochformat in 4:5 oder 9:16 kostet nur vergleichsweise wenig Auflösung, wenn du bereits hochkant fotografiert hast. Schneidest du dagegen aus einem Querformat nachträglich ein Hochformat heraus, kann ein großer Teil des Bildes verloren gehen.
Meine Empfehlung bleibt deshalb einfach: Fotografiere möglichst mit der vollständigen Bildfläche deiner Kamera und lege das endgültige Seitenverhältnis später bei der Bearbeitung fest. So behältst du die größte Reserve und kannst dasselbe Foto je nach Bedarf für einen Ausdruck, deine Website oder Social Media unterschiedlich zuschneiden.
Wenn du schon beim Fotografieren genau weißt, welches Format du später brauchst, kannst du natürlich gezielt dafür komponieren. Besonders bei RAW kann es sinnvoll sein, das gewünschte Seitenverhältnis bereits in der Kamera anzeigen zu lassen – sofern dein Modell trotzdem die vollständige Sensorfläche speichert.
Am Ende gibt es also nicht das eine beste Seitenverhältnis. Das richtige Format ist immer das, das zu deinem Motiv und zur späteren Verwendung passt.